Es ist ja schon wieder einige Zeit her, seit ich zuletzt hier was geschrieben habe. Das liegt daran, dass das Leben hier halt zum Alltag wird. Außerdem habe ich nicht so viel Lust zu schreiben wie mein alter Stufenkamerad Leon, auf dessen Blog ich einmal hinweisen will. (Der Link ist rechts.)
Nachdem ich den Film "Machine Gun Preacher" eines Abends geguckt hatte, hatte ich endlich mal Motivation, mir seine Mammuttexte durchzulesen. Große Empfehlung, besonders in der Kombination.
Spannendes ist in den letzten drei Wochen bei mir eigentlich nichts passiert. Halt der normale Alltag mit Jugend und Kindergruppen zu denen ich mit hingehe und in denen ich mitarbeite, aber noch keine leite und was halt sonst so anfällt in der Gemeinde. Dazu kommt halt die Arbeit, einen eigenen Haushalt zu führen. Das ist zwar ab und zu lästig, aber es hat auch große Vorteile. Und so viel Arbeit ist es letztendlich auch nicht. Mein Nachbar und ich haben nicht wirklich die Aufgaben verteilt, jeder erledigt das, was ihn stört. Und da wir beide eine recht hohe Toleranz für Dreck, Chaos und ähnliches haben, gibt es bei wenig Arbeitseinsatz auch wenig Probleme. Wir halten sozusagen ein Grundniveau an Sauberkeit und Ordnug. Und ich hab das Gefühl, dass meins höher ist als das meines Nachbarn, sodass ich mehr mache. Aber wahrscheinlich denkt er dasselbe und ich habe auch nicht wirklich ein Problem damit.
Dieses Wochenende war dann jetzt aber einigermaßen voll. Am Samstag war Landesjugendtag in Chemnitz mit allem, was so dazu gehört. Gottesdienst, Seminare und Konzerte. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich fange vorne an:
Wir sind mit 6 Leuten aus unserer Gemeinde zusammen nach Oelsnitz gefahren, von wo aus dann der Sammelbus nach Chemnitz fuhr. Treffpunkt war auf einem Lidlparkplatz. Ich hatte mir Sorgen gemacht, dass man da abgeschleppt werden könnte, aber das Schild, das die Parkzeit auf die Dauer des Einkaufs beschränken sollte, war wohl kurz zuvor von einer Rowdycrew professionell entfernt worden. Anders kann ich mir die Abwesenheit nicht erklären.
Die Busfahrt hin war dann furchtbar. Man merkt, wie schnell man aus der Übung kommt, meine letzte Busfahrt war ja nun einige Zeit schon her. Prompt saß ich da, wo der Radkasten den Fußraum derart eingeschränkt hat, dass ich meine Beine nicht hinter den Vordersitz klemmen konnte und die ganze Fahrt schräg auf dem Sitz sitzen musste mit den Beinen in den Gang. Den ganzen Tag hatte ich Rücken.
Der Gottesdienst war dann gut, begleitet von einer recht professionellen Worshipband. Leider ging das ganze länger als vorgesehen, sodass der Zeitplan der darauf folgenden Seminare völlig im Eimer war. Ich wollte zum Seminar "Bibliolog" (wer's nicht kennt mal googeln und ausprobieren, wenn er mal die Chance hat, sehr interessant). Doch die Zeiten waren unangekündigt so blöd verlegt worden, dass ich alles verpasst hab. Also kurzentschlossen zum Seminar gleich nebenan, ich denke ja gerne praktisch/faul. Es handelte sich um ein Seminar über Charakter und Temperamente. Das war erstaunlich interessant. Gelernt habe ich: Musiker sind immer Melancholiker.
Ich bin nach dem Test, den ich da gemacht hab, eine 50/50-Mischung aus Melancholiker und Phlegmatiker. Sanguiniker oder Choleriker bin ich eher nicht. Ob mir das Wissen mal was nützen wird, weiß ich nicht. Das Interessanteste war aber die Tatsache, dass die Leiterin es geschafft hat, alle Charaktergruppen positiv darzustellen. Ich kannte phlegmatisch = lahm, melancholisch = deprimiert, cholerisch = aufbrausend. Den Begriff "Sanguiniker" kannte ich zwar, konnte ihn aber nicht entsprechend zuordnen. Die Differenz zwischen dem üblichen (meinem) Verständnis der Begriffe und der eigentlichen Bedeutung wäre eine Grundlage für eine interessante philosophische Abhandlung über Sinn und Einfluss und Fehler der Philosophie und ihre Beziehung auf unser heutiges Leben. Aber dafür bin ich jetzt zu müde. Ihr kennt ja vielleicht auch meine (skeptische) Meinung über Philosophie.
Danach war ich noch kurz bei einem Trommelkreis, werde jetzt aber nicht das große Loblied über Musik und Kreativität in Gemeinschaft anstimmen, das würde auch zu langweilig werden.
Am Abend waren dann 2 Konzerte:
Erst spielten my Terminal, die auch im Gottesdienst schon für die musikalische Begleitung gesorgt haben. Ich fand sie handwerklich gut.
Danach spielte Albert Frey mit Band und das war schon noch eine andere Liga. Ein Supersound, zumindest für eine Riesenkirche. Allerdings waren auch keine Kosten und Mühen gescheut worden. Ich saß hinter dem schönen Digitalpult (jetzt will ich auch eins, nicht weil ich's brauche, sondern aus Spaß an der Freud) und hab mir einiges abgeguckt.
Einige Gedanken von mir zu Musik:
Wenn man einmal auf einem Metalkonzert war, dann sind alle anderen Konzerte langweilig. Die Leute stehen nur rum und wippen mit dem Fuß. Rhythmisches Hüpfen ist das Höchste der Gefühle. Da ist einfach nichts los. Einige meiner Freunde werden bestätigen können, dass ich jetzt nicht immer der erste im Moshpit bin (ich bin eher als erster wieder draußen) aber irgendwie ist ein Haufen angetrunkener, schwitzender Leute, die mit Bewegung der Musik ihrer Wertschätzung zollen, eine ganz andere Erfahrung. Einige Unarten des Tanzes zu Metal, zum Beispiel Violent Dancing gehen mir auch zu weit, aber ganz ohne fehlt was.
Dieses Etwas kann dann eine Wahnsinnsperformance sein. Ich denke da an ein Triviumkonzert, wo ich das ganze Konzert damit glücklich war, dem Gitarristen auf die Finger zu schauen und zu staunen, was der da live zu Stande bringt. Aber auch das fällt bei christlicher Rockpopmusik leider weg.
Es bleibt die Hoffnung auf geistigen Input. Albert Frey hat das dann auch gut gemacht, mit Gebetszeiten und Geschichten aus seinem Leben zum Hintergrund der Songs. Ich habs also nicht bereut, da gewesen zu sein.
Bei der Rückfahrt hatte ich dann gelernt und saß auf einem guten Platz. Auch das Auto stand noch da, als einziges auf dem Parkplatz. Bis ich dann im Bett war, war es halb 3.
Der Gottesdienst war wegen Ferienzeit schon um 9 Uhr. Wer sich das ausgedacht hat, wüsste ich auch mal gern. Ich versteh den Zusammenhang nicht. Ich also morgens mit 5 Minuten Verspätung zum Gottesdienst, dann kurz gegessen und wieder ins Bett. Kurze Randbemerkung: Ein Posaunenchor wird um mindestens das zehnfache besser, wenn man Timpani nutzt. Eine Anregung für Kelzenberg?
Jetzt sind hier 2 Wochen Schulferien, also fallen alle Gruppen aus. Was ich also hier mache steht noch in den Sternen. Morgen ist die Besprechung dazu. Mal sehen, was das gibt.
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